15-02-10 17:19

Rechtzeitig zur CeBIT brennt USV ab

Von: Sicherheits-Berater

Dumm gelaufen. Man kann sagen: Schon wieder einmal brannte eine USV ab. Dem Sicherheits-Berater werden jährlich zwischen 5 und 15 Brände von USV-Anlagen bekannt. Der Letzte traf dieser Tage die Universität Kiel mit einer Betriebsunterbrechung des Rechenzentrums von fast sechs Tagen. Der elektrische Betriebsraum wird erst nach einer Grundsanierung wieder in Betrieb gehen können. Die PVC-Anteile haben erhebliche Salzsäuregase entstehen lassen. HCl-Ionen haben im Beton eine Wanderungsgeschwindigkeit von ca. 1 mm in 24 Stunden. Dann ist es ein Wettlauf mit der Zeit, durch basische Mittel die Neutralisation so schnell zu betreiben, dass das Eisen im Beton nicht angegriffen und die Rückdiffusionsgefahr gebannt wird. Gelingt die Sanierung nicht, können Chlorionen wieder in die Raumluft zurück diffundieren und mit der Luftfeuchte aggressiv neue elektronische Bauteile in Schaltanlagen angreifen. Im Extremfall kann es besser sein, einen solchen Raum nicht wieder der alten Nutzung zuzuführen. Immerhin waren die Lichtbogenhitze und der anschließende Abbrand so stark, dass die Feuerwehr ihren Versuch, mit CO2 zu löschen, abbrechen musste und nach Stromlos-Schaltung mit dem C-Rohr Wasser spritzte.

Eigentlich hatte man fast alles richtig gemacht. Fast. Konzeptionell wäre es sinnvoll gewesen, die USV in einem eigenen Raum unterzubringen und nicht unmittelbar im Raum zusammen mit der Nieder­spannungs­haupt­verteilung. Räumliche Trennung ist eine der wichtigsten Sicherungs­voraussetzungen im Umfeld und in der Daten­ver­arbeitung. Auch der Bypass war im gleichen Raum verlegt. So musste man alles durch Not­installationen funktionsfähig machen. Und das kostet Zeit, die sich vielleicht eine Universität leisten kann, ein Wirtschafts­unternehmen nicht.

Dazu muss man wissen: In Stromversorgungseinrichtungen brennt es überproportional oft. Häufige Ursachen sind Oxydationen an Kontakten, deren Übergangswiderstand steigt, Wärme entsteht, die sich bis zum Lichtbogen entwickelt und das ganze Gedöns abfackelt. Diese Ereignisse sind oft im Vorfeld zu erkennen, indem man mit Hilfe von Wärmebildkameras Anomalien feststellt.

Eine weitere Ursache sind Schaltfehler, die in bestimmten Konstellationen zu Bränden führen können. Besonders massiert treten USV-Brände dieser Art in Folge von flächendeckenden Stromausfällen auf. Nach dem einige Jahre zurückliegenden Blackout in Italien, der durch Störungen der Schweizer Stromversorgung zustande kam, erfuhr der Sicherheits-Berater von mehr als einem Dutzend abgefackelter Groß-USVen. Übrigens: Nicht eine einzige dynamische oder diesel-dynamische USV war darunter. Es traf bislang fast ausschließlich statische Anlagen.

Batteriebrände kommen hinzu. Ein großer USV-Lieferant dezentraler Geräte musste vor einigen Jahren wegen der Häufung von Batteriebränden ganze Serien zurückrufen.

Umso mehr verwundert es, dass es viele Unternehmen gibt, die diesen Faktor der Verfügbarkeit nicht einkalkulieren und in sog. Systeminstallationen USV, Batterie und Lüftung als modulare Einheiten in Reihe im Rechnerraum installieren lassen. Das spricht dem Sicherungsgrundsatz der Trennung von grober und feiner Technik Hohn. Dann kann man doch auch gleich die Rechner in der Niederspannungshauptverteilung installieren. Das Bild spricht Bände.

Quelle: Sicherheits-Berater